2026-01-09
Die Zunge ist weit mehr als nur ein Hilfsmittel zur Nahrungsaufnahme in unserem Mund.
Sie ermöglicht uns Geschmack, gibt dem Schlucken eine Richtung und ist am Sprechen beteiligt. Enge Verbindungen zum Gehirn und den Nerven ermöglichen uns Tasten, Temperaturempfinden, Schmerzwahrnehmung. Sie ist ein Muskel mit starken Beziehungen zum Kiefer, zum Nacken und der Halswirbelsäule. Die Zunge ist reich an Lymphgefäßen und mit dem Immunsystem verbunden.
Das alles ist wichtig und noch viel mehr können wir erfahren, wenn wir unsere Zunge betrachten. Denn Veränderungen der Zunge können vielfältige Hinweise zum aktuellen Gesundheitszustand geben.
Warum ich Ihnen das erzähle?
Weil ich häufig von Patienten bei der Untersuchung gefragt werde, weshalb ich sie den Mund öffnen lasse, um Schleimhäute, Racheneingang und Zunge anzusehen.
Und welche Geheimnisse offenbart sie noch?
>> Die Größe der Zunge kann sich verändern.
Lymphflüssigkeit kann sich stauen. Dadurch wird die Zunge größer und breiter, so dass Zahnabdrücke an den Rändern entstehen. Ebenso kann sie sich aber auch etwas verkleinern und schmaler sein.
>> Die Farbe der Zunge sollte ein zarter Rosaton sein.
Nahrungsmittel können die Zunge kurzzeitig einfärben, was völlig unbedenklich ist. Anders aber wenn sie sehr stark gerötet, bläulich verfärbt, gelblich oder weiß belegt ist. Auch landkartenähnliche Bereiche zeigen sich manchmal. Möglich, dass das durch Krankheiten verursacht wird. Stoffwechselprobleme im Körper oder Erkrankungen können Beläge verursachen. Unterschiedliche Bereiche sind nach der Zungendiagnostik unterschiedlichen Organsystemen zugeordnet.
>> Die Zungenoberfläche ist mit kleinen Erhebungen übersät, den Papillen.
Manchmal ist sie aber glatt und glänzend. Dann kann vielleicht ein Vitaminmangel die Ursache sein, was über eine Laboruntersuchung geprüft werden muss. Zeitweise entstehen Furchen und Täler auf der Zunge. Ungewöhnlich vergrößerte Papillen treten auch manchmal auf.
Sie sehen, wir können ganz viel Informationen zur inneren Gesundheit allein aus dem Anschauen der Zunge erhalten. Jede Auffälligkeit muss hinterfragt und eventuell durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Aus diesem Grund schaue ich mir bei körperlichen Untersuchungen der Patienten die Zunge an.
Wann haben Sie Ihre Zunge zuletzt angesehen?
Ist die Zunge Teil Ihrer Mundpflege?
Weist Ihre Zunge Besonderheiten auf?
Als Teil unseres Körpers zeigt die Zunge viele mögliche Veränderungen. Ihre Größe, Farbe, Oberfläche oder Beläge liefern Hinweise zur Diagnosefindung. Trotzdem ist eine Anamnese und körperliche Grunduntersuchung nötig, denn jede Zungenuntersuchung ist nur ein einzelnes Puzzlestück.
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Quelle Foto: stock.adobe.com/vladimirfloyd
Heike Eikemeier - 12:26:17 @ Allgemein, Gesundheitstipps, Praxis Theramedica